Donnerstag, 24. Januar 2008

Jetzt kommen die Boat People

Palma – Am Strand Ses Salines von Ibiza fanden Spaziergänger ein leeres Schlauchboot. Wenig später nahm die Polizei neun illegale Immigranten aus Algerien fest. Dasselbe spielte sich auf Mallorca ab. Dort nahmen die Beamten 15 Algerier fest, nachdem am Südkap ein Motorboot gefunden worden war. Zwei Tage zuvor tauche in einer Felsenbucht nahe Santayi ein halb gesunkenes Boot auf. Die Polizei konnte 19 Immigranten dingfest machen.

Die Ankünfte von afrikanischen Boat People bestätigen einen Verdacht: Die Schlepper haben die Balearen als neues Tor zu Europa entdeckt. Zehn Boote wurden in den vergangenen 15 Monaten an den Balearenküsten gefunden mit mindestens 126 Insassen.

Die Immigranten zahlen 500 bis 1000 Euro für die Überfahrt. Ausgestattet mit Bargeld und neuer Kleidung tauchen sie unter. Die Sicherheitskräfte gehen von der Ankunft weiterer Boat People aus, im Fall Ibiza wird vermutet, dass die Flüchtlinge von einem Handelsschiff ausgesetzt wurden.

Nun fordert die Polizei fest installierte Radaranlagen. Hoteliers fürchten, die Immigration werde sich auch negativ auf den Tourismus auswirken. Hält der Zustrom an, wird es von den Balearen bald dieselben Bilder geben wie von der südspanischen Costa de la Luz. 2003 gingen Fotos durch die Weltpresse, die fliehende Schwarzafrikaner zwischen europäischen Badegästen zeigten.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Schluss mit dem Wildwuchs an Spaniens Küsten

Regierung will gegen illegale Gebäude vorgehen und droht mit Abriss

Der Chefredakteur der spanischen Tageszeitung "El Mundo", Pedro J. Ramírez, muss im Pool seines Ferienhauses auf Mallorca seit einiger Zeit Schulklassen dulden. Grund: Ramírez hat zu nahe am Meer gebaut und die ersten sechs Meter Küstenlinie sind in Spanien öffentlich zugänglicher Raum.

Ramírez ist ein Präzedenzfall. Bald müssen alle Hausbesitzer, die zu nahe an den spanischen Küsten gebaut haben, mit ähnlichen Auflagen rechnen. Das Umweltministerium will mit den illegalen Gebäuden am Meer aufräumen und droht im Zweifel mit Abriss. Nach einem Gesetz von 1988 müssen alle seitdem errichteten Gebäude außerhalb von Ortschaften einen zusätzlichen Abstand von 100 Metern zum Meer halten. Für die zuvor entstandenen gilt eine Schonfrist bis 2018, dann drohen Konsequenzen. Doch das Gesetz wurde oft nicht eingehalten, Ahndungen sind in unzähligen Fällen nicht erfolgt.

Die sozialistisch geführte Regierung gibt sich indes zum Durchgreifen entschlossen, Gebäude in geschützten Küstenzonen sollen verschwinden und neue Siedlungen in unmittelbarer Küstennähe verhindert werden. Nach einer Studie sind 1000 Kilometer an den Mittelmeer- und Inselküsten erschlossen und besiedelt. Fünf Milliarden Euro hat das Ministerium veranschlagt, unter anderem, um strittige Grundstücke mit Gebäuden, die vor 1988 gebaut wurden, zu erwerben und zu renaturieren. Allerdings soll es nicht zu massiven Enteignungen kommen. Die Schadensersatzklagen von Immobilieneigentümern und Bauunternehmern wären nicht abzusehen und einzelne Beispiele gerade auf Mallorca zeigen, dass sich Abrissprozesse Jahrzehntelang hinziehen können. Die Regierung setzt deswegen auf ein Abkommen mit den Autonomieregierungen und Gemeinden, die gegebenenfalls für die Umsetzung eines Abrissbeschlusses zuständig sind.

„Bislang haben wir mit Küsten-Boulevards die Bebauung sogar unterstützt, jetzt geht es darum, die Landschaft für den öffentlichen Nutzen zurück zu gewinnen“, sagt Staatssekretär Antonio Serrano. Das Vorhaben klingt reichlich optimistisch, hat man die Verstöße jahrzehntelang toleriert und lebt das Königreich zu zehn Prozent vom Tourismus – bisweilen in Hotels, die in geschützten Gebieten liegen. Das Maßnahmenpaket will dennoch auf 780 Kilometern entlang der Festlandsküsten am Mittelmeer und am Atlantik bei Cádiz sowie auf den Balearen und Kanaren dem Wildwuchs ein Ende setzen. Dazu sollen 800 Kilometer Wander- und Fahrradwege angelegt und die zu 70 Prozent bereits angegriffenen Naturschutzgebiete und Dünenlandschaften regeneriert werden.

Erstmals tauchen auch die Folgen des Klimawandels als Argument in einem Regierungspapier auf. Nach mehreren Studien könnten durch einen Anstieg des Meeresspiegels bis 2050 im Durchschnitt 15 Meter Land an den Küsten überflutet werden. Jetzt macht man sich Gedanken über Siedlungen im Ebro-Delta und auf Höhe des Meeresspiegels in den Feuchtgebieten bei Valencia.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Traumberuf Schauspieler

Zweifacher Motorrad-Weltmeister Jorge Lorenzo in der 250cc-Klasse setzt auf die Kraft von Rocky Balboa

Zur Feier seiner Titelgewinne verkleidete er sich schonmal als Pop-Sänger oder als römischer Legionär. Diesmal erschien Jorge Lorenzo als Rocky Balboa auf dem Podest mit Gürtel, Umhang und goldenen Boxhandschuhen. Der 20-Jährige ist bereits zum zweiten Mal Motorrad-Weltmeister in der 250-Kubikzentimeter-Klasse. Beim Großen Preis von Malaysia holte er am Sonntag, 21. Oktober, in Sepang noch als Dritter den Sieg in der Gesamtwertung. 2006 schlug der Aprilia-Pilot in Valencia seinen Erzrivalen Andrea Davizioso auf Honda. In seiner Heimat Mallorca ist er nun neben dem Tennis-Star Rafael Nadal aus Manacor ein Nationalheld.

Souverän ließ Lorenzo nach dem Rennen verlauten, „wenn man älter ist, genießt man die Siege viel mehr". Zwar habe jeder Rennfahrer „ein wenig Angst", aber diesmal „ging es eigentlich ganz einfach". Der „Junge mit dem Lolli", als der Loranzo wegen seines Sponsors, des katalansichen Lutscher-Herstellers Cupa Chups, bekannt wurde, reift nun auch sportlich: In der kommenden Saison tritt er mit Yamaha in der Königsklasse MotoGP mit Motoren bis 800 Kubikzentimetern Hubraum an. „Ich habe die Yamaha schon ausprobiert", sagte Lorenzo nach dem Sieg. „Sie war nicht schwer zu fahren, aber es kommt sehr auf die Reifen an." Um sein sein bisheriges Team gab es Abschiedstränen: „Es tut weh, das Team zu verlassen", sagte Lorenzo. „Das war eine prägende Zeit für mich."

Mit Aprilia ist Lorenzo zwar berühmt geworden, die Erfolgsstory des Talents begann allerdings schon viel früher. Der Sinn für die Zweiräder wurde ihm, heißt es, noch im Mutterleib mitgegeben. Die Eltern lernten sich als Vespa-Kurriere in Palma kennen, Mutter María ging noch schwanger auf Botendienste. Wenig später machte Vater Chicho, selbst Motorrad-Fan, eine Motorradwerkstatt auf, in der sich das Kleinkind, geboren am 4. Mai 1987, auf dem Sattel angeblich am wohlsten fühlte. Sein Vater montierte für den Dreijährigen ein erstes Mini-Gefährt, auf dem er auf einem Testgelände die ersten kleinen Rennen fuhr. Mit sechs Jahren räumte Lorenzo bereits alle Titel seiner - ab diesem Alter zu Rennen zugelassenen - Altersklasse ab: Minicross, Minimotos, Trial, Scooter. Im Alter von zehn Jahren war er mit acht Titeln auf der Insel ein Champion. Bei einer ersten Teilnahme unter dem Dach von Aprilia in Jerez wurde Lorenzo von seinem späteren Trainer Dani Amatriaín entdeckt. „Er war noch so klein, aber er fuhr wie ein Profi", erinnert sich Amatriaín. Als Rennfahrer, der es selbst nicht zu den großen Titeln brachte, wollte Amatriaín ihn „fördern, damit er sich nur um das Fahren und nicht um Sponsoren oder Management zu kümmern brauchte".

Mit elf Jahren gewann Lorenzo in der 50-Kubikzentimeter-Klasse fünf von sechs Rennen, ein Jahr später wurde er Meister in der 125-Kubikzentimeter-Klasse. Mit 14 durfte er mit einer Sondergenehmigung auf europäischer Ebene antreten, mit 15 Jahren wurde er der jüngste Fahrer der Geschichte, der um den Weltmeistertitel punktet. 2003, mit 16 Jahren, fährt er in Brasilien seinen ersten internationalen Sieg ein, mit 18 wechselt er in die 250-Kubikzentimeter-Klasse - und macht endlich den Führerschein. Sein erstes Auto wird ein BMW X5.

Die rasante Karriere wird allerdings von familiären Brüchen überschattet. Nach der Trennung der Eltern kommt es auch zum Streit zwischen Amatriaín und seinem Vater. Nachdem der Trainer 2006 den von Vater Chicho eingesetzten Psychologen des Rennfahrers feuert, wirft ihm der Vater Ausbeutung und Selbstbereicherung an dem Talent vor. Jorge Lorenzo werde ausgepresst und unverantwortlich unter Druck gesetzt, so der Vorwurf. Amatriaín reicht daraufhin Verläumdungsklage ein, Jorge Lorenzo gibt im Juni 2006 öffentlich die berufliche Trennung von seinem Vater bekannt. Der Karriere tut der familiäre Zwist keinen Abbruch: Lorenzo fährt auch 2007 an die Spitze und orientiert sich dabei nun an Filmidolen. „Rocky Balboa steht für den Willen, sich selbst zu zu übertreffen, auch wenn man weiß, dass man schon der Beste ist", sagt Lorenzo. Als seine Idole hat er einmal Brad Pitt, Scarlett Johannson und Homar Simpson bezeichnet, sein Traumberuf: Schauspieler.