Schluss mit dem Wildwuchs an Spaniens Küsten
Regierung will gegen illegale Gebäude vorgehen und droht mit Abriss
Der Chefredakteur der spanischen Tageszeitung "El Mundo", Pedro J. Ramírez, muss im Pool seines Ferienhauses auf Mallorca seit einiger Zeit Schulklassen dulden. Grund: Ramírez hat zu nahe am Meer gebaut und die ersten sechs Meter Küstenlinie sind in Spanien öffentlich zugänglicher Raum.
Ramírez ist ein Präzedenzfall. Bald müssen alle Hausbesitzer, die zu nahe an den spanischen Küsten gebaut haben, mit ähnlichen Auflagen rechnen. Das Umweltministerium will mit den illegalen Gebäuden am Meer aufräumen und droht im Zweifel mit Abriss. Nach einem Gesetz von 1988 müssen alle seitdem errichteten Gebäude außerhalb von Ortschaften einen zusätzlichen Abstand von 100 Metern zum Meer halten. Für die zuvor entstandenen gilt eine Schonfrist bis 2018, dann drohen Konsequenzen. Doch das Gesetz wurde oft nicht eingehalten, Ahndungen sind in unzähligen Fällen nicht erfolgt.
Die sozialistisch geführte Regierung gibt sich indes zum Durchgreifen entschlossen, Gebäude in geschützten Küstenzonen sollen verschwinden und neue Siedlungen in unmittelbarer Küstennähe verhindert werden. Nach einer Studie sind 1000 Kilometer an den Mittelmeer- und Inselküsten erschlossen und besiedelt. Fünf Milliarden Euro hat das Ministerium veranschlagt, unter anderem, um strittige Grundstücke mit Gebäuden, die vor 1988 gebaut wurden, zu erwerben und zu renaturieren. Allerdings soll es nicht zu massiven Enteignungen kommen. Die Schadensersatzklagen von Immobilieneigentümern und Bauunternehmern wären nicht abzusehen und einzelne Beispiele gerade auf Mallorca zeigen, dass sich Abrissprozesse Jahrzehntelang hinziehen können. Die Regierung setzt deswegen auf ein Abkommen mit den Autonomieregierungen und Gemeinden, die gegebenenfalls für die Umsetzung eines Abrissbeschlusses zuständig sind.
„Bislang haben wir mit Küsten-Boulevards die Bebauung sogar unterstützt, jetzt geht es darum, die Landschaft für den öffentlichen Nutzen zurück zu gewinnen“, sagt Staatssekretär Antonio Serrano. Das Vorhaben klingt reichlich optimistisch, hat man die Verstöße jahrzehntelang toleriert und lebt das Königreich zu zehn Prozent vom Tourismus – bisweilen in Hotels, die in geschützten Gebieten liegen. Das Maßnahmenpaket will dennoch auf 780 Kilometern entlang der Festlandsküsten am Mittelmeer und am Atlantik bei Cádiz sowie auf den Balearen und Kanaren dem Wildwuchs ein Ende setzen. Dazu sollen 800 Kilometer Wander- und Fahrradwege angelegt und die zu 70 Prozent bereits angegriffenen Naturschutzgebiete und Dünenlandschaften regeneriert werden.
Erstmals tauchen auch die Folgen des Klimawandels als Argument in einem Regierungspapier auf. Nach mehreren Studien könnten durch einen Anstieg des Meeresspiegels bis 2050 im Durchschnitt 15 Meter Land an den Küsten überflutet werden. Jetzt macht man sich Gedanken über Siedlungen im Ebro-Delta und auf Höhe des Meeresspiegels in den Feuchtgebieten bei Valencia.
Der Chefredakteur der spanischen Tageszeitung "El Mundo", Pedro J. Ramírez, muss im Pool seines Ferienhauses auf Mallorca seit einiger Zeit Schulklassen dulden. Grund: Ramírez hat zu nahe am Meer gebaut und die ersten sechs Meter Küstenlinie sind in Spanien öffentlich zugänglicher Raum.
Ramírez ist ein Präzedenzfall. Bald müssen alle Hausbesitzer, die zu nahe an den spanischen Küsten gebaut haben, mit ähnlichen Auflagen rechnen. Das Umweltministerium will mit den illegalen Gebäuden am Meer aufräumen und droht im Zweifel mit Abriss. Nach einem Gesetz von 1988 müssen alle seitdem errichteten Gebäude außerhalb von Ortschaften einen zusätzlichen Abstand von 100 Metern zum Meer halten. Für die zuvor entstandenen gilt eine Schonfrist bis 2018, dann drohen Konsequenzen. Doch das Gesetz wurde oft nicht eingehalten, Ahndungen sind in unzähligen Fällen nicht erfolgt.
Die sozialistisch geführte Regierung gibt sich indes zum Durchgreifen entschlossen, Gebäude in geschützten Küstenzonen sollen verschwinden und neue Siedlungen in unmittelbarer Küstennähe verhindert werden. Nach einer Studie sind 1000 Kilometer an den Mittelmeer- und Inselküsten erschlossen und besiedelt. Fünf Milliarden Euro hat das Ministerium veranschlagt, unter anderem, um strittige Grundstücke mit Gebäuden, die vor 1988 gebaut wurden, zu erwerben und zu renaturieren. Allerdings soll es nicht zu massiven Enteignungen kommen. Die Schadensersatzklagen von Immobilieneigentümern und Bauunternehmern wären nicht abzusehen und einzelne Beispiele gerade auf Mallorca zeigen, dass sich Abrissprozesse Jahrzehntelang hinziehen können. Die Regierung setzt deswegen auf ein Abkommen mit den Autonomieregierungen und Gemeinden, die gegebenenfalls für die Umsetzung eines Abrissbeschlusses zuständig sind.
„Bislang haben wir mit Küsten-Boulevards die Bebauung sogar unterstützt, jetzt geht es darum, die Landschaft für den öffentlichen Nutzen zurück zu gewinnen“, sagt Staatssekretär Antonio Serrano. Das Vorhaben klingt reichlich optimistisch, hat man die Verstöße jahrzehntelang toleriert und lebt das Königreich zu zehn Prozent vom Tourismus – bisweilen in Hotels, die in geschützten Gebieten liegen. Das Maßnahmenpaket will dennoch auf 780 Kilometern entlang der Festlandsküsten am Mittelmeer und am Atlantik bei Cádiz sowie auf den Balearen und Kanaren dem Wildwuchs ein Ende setzen. Dazu sollen 800 Kilometer Wander- und Fahrradwege angelegt und die zu 70 Prozent bereits angegriffenen Naturschutzgebiete und Dünenlandschaften regeneriert werden.
Erstmals tauchen auch die Folgen des Klimawandels als Argument in einem Regierungspapier auf. Nach mehreren Studien könnten durch einen Anstieg des Meeresspiegels bis 2050 im Durchschnitt 15 Meter Land an den Küsten überflutet werden. Jetzt macht man sich Gedanken über Siedlungen im Ebro-Delta und auf Höhe des Meeresspiegels in den Feuchtgebieten bei Valencia.

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