Traumberuf Schauspieler
Zweifacher Motorrad-Weltmeister Jorge Lorenzo in der 250cc-Klasse setzt auf die Kraft von Rocky BalboaZur Feier seiner Titelgewinne verkleidete er sich schonmal als Pop-Sänger oder als römischer Legionär. Diesmal erschien Jorge Lorenzo als Rocky Balboa auf dem Podest mit Gürtel, Umhang und goldenen Boxhandschuhen. Der 20-Jährige ist bereits zum zweiten Mal Motorrad-Weltmeister in der 250-Kubikzentimeter-Klasse. Beim Großen Preis von Malaysia holte er am Sonntag, 21. Oktober, in Sepang noch als Dritter den Sieg in der Gesamtwertung. 2006 schlug der Aprilia-Pilot in Valencia seinen Erzrivalen Andrea Davizioso auf Honda. In seiner Heimat Mallorca ist er nun neben dem Tennis-Star Rafael Nadal aus Manacor ein Nationalheld.
Souverän ließ Lorenzo nach dem Rennen verlauten, „wenn man älter ist, genießt man die Siege viel mehr". Zwar habe jeder Rennfahrer „ein wenig Angst", aber diesmal „ging es eigentlich ganz einfach". Der „Junge mit dem Lolli", als der Loranzo wegen seines Sponsors, des katalansichen Lutscher-Herstellers Cupa Chups, bekannt wurde, reift nun auch sportlich: In der kommenden Saison tritt er mit Yamaha in der Königsklasse MotoGP mit Motoren bis 800 Kubikzentimetern Hubraum an. „Ich habe die Yamaha schon ausprobiert", sagte Lorenzo nach dem Sieg. „Sie war nicht schwer zu fahren, aber es kommt sehr auf die Reifen an." Um sein sein bisheriges Team gab es Abschiedstränen: „Es tut weh, das Team zu verlassen", sagte Lorenzo. „Das war eine prägende Zeit für mich."
Mit Aprilia ist Lorenzo zwar berühmt geworden, die Erfolgsstory des Talents begann allerdings schon viel früher. Der Sinn für die Zweiräder wurde ihm, heißt es, noch im Mutterleib mitgegeben. Die Eltern lernten sich als Vespa-Kurriere in Palma kennen, Mutter María ging noch schwanger auf Botendienste. Wenig später machte Vater Chicho, selbst Motorrad-Fan, eine Motorradwerkstatt auf, in der sich das Kleinkind, geboren am 4. Mai 1987, auf dem Sattel angeblich am wohlsten fühlte. Sein Vater montierte für den Dreijährigen ein erstes Mini-Gefährt, auf dem er auf einem Testgelände die ersten kleinen Rennen fuhr. Mit sechs Jahren räumte Lorenzo bereits alle Titel seiner - ab diesem Alter zu Rennen zugelassenen - Altersklasse ab: Minicross, Minimotos, Trial, Scooter. Im Alter von zehn Jahren war er mit acht Titeln auf der Insel ein Champion. Bei einer ersten Teilnahme unter dem Dach von Aprilia in Jerez wurde Lorenzo von seinem späteren Trainer Dani Amatriaín entdeckt. „Er war noch so klein, aber er fuhr wie ein Profi", erinnert sich Amatriaín. Als Rennfahrer, der es selbst nicht zu den großen Titeln brachte, wollte Amatriaín ihn „fördern, damit er sich nur um das Fahren und nicht um Sponsoren oder Management zu kümmern brauchte".
Mit elf Jahren gewann Lorenzo in der 50-Kubikzentimeter-Klasse fünf von sechs Rennen, ein Jahr später wurde er Meister in der 125-Kubikzentimeter-Klasse. Mit 14 durfte er mit einer Sondergenehmigung auf europäischer Ebene antreten, mit 15 Jahren wurde er der jüngste Fahrer der Geschichte, der um den Weltmeistertitel punktet. 2003, mit 16 Jahren, fährt er in Brasilien seinen ersten internationalen Sieg ein, mit 18 wechselt er in die 250-Kubikzentimeter-Klasse - und macht endlich den Führerschein. Sein erstes Auto wird ein BMW X5.
Die rasante Karriere wird allerdings von familiären Brüchen überschattet. Nach der Trennung der Eltern kommt es auch zum Streit zwischen Amatriaín und seinem Vater. Nachdem der Trainer 2006 den von Vater Chicho eingesetzten Psychologen des Rennfahrers feuert, wirft ihm der Vater Ausbeutung und Selbstbereicherung an dem Talent vor. Jorge Lorenzo werde ausgepresst und unverantwortlich unter Druck gesetzt, so der Vorwurf. Amatriaín reicht daraufhin Verläumdungsklage ein, Jorge Lorenzo gibt im Juni 2006 öffentlich die berufliche Trennung von seinem Vater bekannt. Der Karriere tut der familiäre Zwist keinen Abbruch: Lorenzo fährt auch 2007 an die Spitze und orientiert sich dabei nun an Filmidolen. „Rocky Balboa steht für den Willen, sich selbst zu zu übertreffen, auch wenn man weiß, dass man schon der Beste ist", sagt Lorenzo. Als seine Idole hat er einmal Brad Pitt, Scarlett Johannson und Homar Simpson bezeichnet, sein Traumberuf: Schauspieler.

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